Geschäftsbericht zur Mitgliederversammlung des Vereins mitein-anders

am 15. Mai 2014 im Gemeindesaal der Gnadenkirche in Bergisch Gladbach
Berichtszeitraum: Mai 2013 bis April 2014

Eine Villa im Grünen mit großer Terrasse,
vorn die Ostsee, hinten die
Friedrichstraße;
mit schöner Aussicht, ländlich-mondän,
vom Badezimmer ist die Zugspitze zu sehn –
aber abends zum Kino hast du’s nicht weit.
(aus dem Gedicht „Das Ideal“ von Kurt Tucholsky, 1927)

Nun ist es fast genau ein Jahr her, dass wir uns zusammenfanden, um diesen neuen Verein zu gründen. Vorausgegangen waren viele interessante Veranstaltungen, die eine hohe Anzahl von interessierten Menschen angezogen hatten. Ich erinnere nur an den Abend mit Dorette Deutsch oder den eindrucksvollen Vortrag von Henning Scherf. Aber auch unsere Info-Veranstaltung mit Plänen und Modell zum Umbau Buchmühle hier im Pfarrsaal hatte viele positive Rückmeldungen, sodass wir im Frühjahr 2013 die Vereinsidee wagen wollten.
Noch eine Stunde vor dieser Zusammenkunft waren wir unsicher, wie viele Gründungsmitglieder wir wohl würden mobilisieren können. Schlussendlich waren es dann 37 Personen, die im ungewöhnlichen Rahmen der Gnadenkirche den Verein mitein-anders gründeten. Und wir alle gemeinsam wussten damals gar nicht so genau, was wir da wohl miteinander losgetreten hatten.

Vorstand


Auf der Gründungsversammlung unseres Wohnvereins am 10.05.2013 wurde für zwei Jahre folgender Vorstand gewählt:

Dorothea Corts, 1. Vorsitzende

Elisabeth Sprenger, 2. Vorsitzenden

Michael Schubek, Kassenführer

Uta Kallenbach, Schriftführerin

Karl-Gerhard Brück, Beisitzer

Dr. Christian Eich und Rainer Henze wurden als Kassenprüfer gewählt.


Inzwischen ist nicht nur ein Jahr vergangen, sondern auch Vieles passiert: Unser Verein hat aktuell 69 Mitglieder - es sind also kontinuierlich neue Menschen dazu
gestoßen, die sich konkret mit dem Gedanken tragen, in ein Mehrgenerationenwohnprojekt einzuziehen bzw. solche Bauvorhaben unterstützen zu wollen. Dies wurde durch unsere
Vorstandsriege natürlich angestrebt und befördert –wohl wissend, dass nur durch die Kraft von unten, sprich eine hohe Mitgliederzahl auch die politische Meinung für uns sprechen wird.
Aus diesem Grund haben wir bereits kurz nach Vereinsgründung unsere Internetseite aufgestellt, für die wir im Übrigen häufig gelobt werden. Darin präsentieren wir uns als professionelle Gruppierung, erklären unsere Zielsetzung und können unsere öffentlichen Aktionen regelmäßig einstellen. Ebenfalls wurde durch gezielte Pressearbeit unser Verein bekannt gemacht, und ich selbst habe zwei Vorträge zum Thema gehalten mit dem Ziel, weitere  Mitstreiter zu finden.
Im Jahr 2013 wurden insgesamt sechs öffentliche Vorstandssitzungen durchgeführt. Diese fanden im Besprechungsraum neben der Gnadenkirche statt und – wegen des sehr großen Zuspruchs teilweise sogar in der Gnadenkirche. Die hohe Beteiligung von immer wieder neuen Interessierten mit immer wieder den gleichen Fragen hat aber die eigentliche Arbeit des Vorstands sehr erschwert.
Daher wurde für das Jahr 2014 eine Änderung beschlossen: nur jede zweite Vorstandssitzung ist öffentlich, an den ungeraden Monaten finden die Vorstandssitzung im kleinen Kreis statt. Entsprechend dieses Beschlusses wurden bislang in diesem Jahr zwei öffentliche und zwei nicht-öffentliche Sitzungen durchgeführt.
Gleich zu Beginn unserer Amtszeit stand ein Beschluss zur Änderung der Vereinssatzung auf der Tagesordnung; denn unsere Gemeinnützigkeit wurde wegen einer ungenauen Formulierung
nicht anerkannt. Aber mit einer kleinen Umstellung des Wortlauts wurde das Finanzamt beruhigt und die Gemeinnützigkeit bestätigt. So konnten ein Konto eingerichtet und die Mitgliedsbeiträge eingezogen werden. In den zahlreichen Vorstandssitzungen danach haben wir viele Dinge besprochen, zumeist ging es um die Buchmühle, die Mitglieder, unsere Außenwirkung und mögliche Projekt-Standorte. Es gab nur selten extrem kontroverse Diskussionen, und immer führte es zu einstimmigen Beschlüssen. An dieser Stelle möchte ich meinen Vorstandskolleginnen und Kollegen ein herzliches Dankeschön sagen für die immer sehr intensive und vertrauensvolle Zusammenarbeit!

Arbeitsgruppen

Dass überhaupt ständig Aktivitäten erfolgen, wird nicht zuletzt ermöglicht durch die Verteilung der Arbeit auf spezielle Arbeitsgruppen. Die Leiterinnen und Leiter der jeweiligen AGs sind selbst verantwortlich für ihren Themenbereich. Sie stehen aber stets im engen Kontakt mit den Vorstandsmitgliedern und werden auch zu den nicht-öffentlichen Vorstandssitzungen eingeladen. Momentan bestehen folgende Arbeitsgruppen:

Projektstandorte

(Georg W. Geist) Wie sich im Laufe des letzten Jahres herausgestellt hat, ist der Standort ein ganz entscheidender Punkt. Wir haben in einem Papier die Bedingungen für einen guten Standort zusammengefasst, dabei sind die innerstädtische Lage bei gleichzeitiger Bezahlbarkeit des Grundstücks zwei Komponenten, die nur schwer zusammen zu bringen sind. Aber wir arbeiten daran! Es gab einen Vorstandsbeschluss der besagt, dass wir nur solche Standorte weiter verfolgen, wenn mehrere Mitglieder bekunden, dass sie dort konkret wohnen möchten und eine entsprechende Gruppe zur weiteren Umsetzung bilden. Vor diesem Hintergrund wurde ein umfassender Fragebogen ausgearbeitet und ausgewertet, der die Wünsche unserer Mitglieder erfasst und uns die Möglichkeit gibt, ganz zielgerichtet vorzugehen. Jeder Neuzugang bekommt diesen Bogen und so wissen wir gleich, wie der oder die Neue einzuordnen ist, welche Finanzierungsform derjenige anstrebt und in welche Gegend er oder sie ziehen möchte. Die Arbeitsgruppe untersucht auch die bei uns eingehenden unterschiedlichen Standorte auf ihre Tauglichkeit. Sie wählt neue Grundstücke aus und stellt diese in den Vorstandssitzungen vor. Dann erfolgt eine schriftliche Abfrage an alle Mitglieder.
Dies ist z.B. gerade beim Projekt Töpferweg erfolgt. Leider sind nur zwei Mitglieder an diesem Standort interessiert, sodass wir wohl dieses Projekt nicht weiter begleiten. Das heißt nun nicht,
dass diese beiden Personen dort nicht einziehen können – es bleibt ihnen unbenommen, den Bau im Auge zu behalten und ggfs. dort eine Wohnung zu mieten oder zu erwerben. Wir werden  allerdings aufgrund dieses Ergebnisses keine Projektgruppe Töpferweg aufbauen, falls nicht weitere Interessenten dazustoßen. Im Bergisch Gladbacher „Vorort“ Köln zeichnet sich die
Errichtung eines Mehrgenerationenhauses am Ehrenfeldgürtel ab; wenn die Bauvoranfrage seitens der Stadt Köln positiv beschieden wird, wollen wir das Interesse unserer Mitglieder an
diesem Standort erfragen. Und es gibt in Heidkamp und in Refrath jeweils ein interessantes Grundstück; da bedarf es aber noch einiger Vorgespräche zur Konkretisierung; nach Klärung  werden wir Ihnen berichten!
Am Projekt Buchmühlehat es nach zwischenzeitlicher Ernüchterung eine neue Entwicklung gegeben, aber davon später.

Veranstaltungen / Exkursionen

(Dagmar Wies) Mit unseren Veranstaltungen möchten wir gleich mehrere Dinge bezwecken: Zum einen natürlich Projekte und Mitstreiter kennen lernen um von deren Erfahrungen zu profitieren bzw. deren Fehler nicht ebenfalls zu machen. Zum anderen aber auch, uns gegenseitig bekannt zu machen, uns bei den Ausflügen näher zu kommen und Gemeinsamkeit herzustellen. Hier sind es inzwischen mehrere Mitglieder, die sich neue Dinge ausdenken und auf den Weg bringen. So konnten wir einige Projekte besichtigen und uns vor Ort informieren – letztes Jahr das Projekt Philia in Holweide, das Projekt Nachbarschaftliches Wohnenin Lindlar und noch vor Kurzem das Ledo-Projekt in Köln-Niehl, das uns aufgrund seiner engagierten Bewohnerinnen sicher noch in sehr angenehmer Erinnerung ist. Ebenso war der Besuch der beiden Damen der Wahlverwandtschaften aus Bonn bei uns ausgesprochen informativ – ein leider nur sehr schwach besuchter Vortrag, der den wenigen Beteiligten aber Mut machte und ganz viel positive Energien bereithielt. Beachtung fand auch unsere Ausstellung in der VR-Bank,
wenngleich man sagen muss, dass wir zu deren Realisierung viel Mann- und Frauenpower einsetzen mussten und es vergleichsweise teuer war. Ob das Ergebnis dann letztlich so positiv war, mag ich gar nicht beurteilen. Aber es kommen mit jedem Schritt in die Öffentlichkeit neue Kontakte hinzu und am Ende zählt das Gesamte von dem niemand mehr weiß, wie es entstanden ist. Als weitere Veranstaltung ist demnächst eine Podiumsdiskussion zum Mehrgenerationenwohnen geplant; ein Termin steht allerdings noch nicht fest.

Öffentlichkeitsarbeit

(Dorothea Corts) Dies liegt nach wie vor in meiner Hand, da Presseinformationen oder unsere Präsentation nach außen immer in Abwägung auch der politischen Hintergründe zu sehen ist – das möchte ich keinem anderen "antun".

Mitgliederbetreuung

(Roswitha Wirtz) Hier überlappt sich die Arbeitsgruppe etwas mit der Veranstaltungs-AG – es gibt mehrere Personen, die es sich zum Ziel gesetzt haben, die Mitglieder durch gemeinsames Tun zusammen zu führen. Eine überaus gelungene Auftaktveranstaltung war unser Neujahrstreffen: leckeres Essen, kurzweilige Beiträge und sogar eine Vereinshymne – was will man mehr! So solles gerne weiter gehen; denn ganz offensichtlich kommen wir gut miteinander aus! Das Rahmenprogramm zum heutigen Abend haben wir gerne wieder dieser bewährten Gruppe überlassen – wir werden sehen!

Finanzen / Fördermittel

(Michael Schubek) Hier ist unser Schatzmeister Herr des Verfahrens und hat heute ja auch seinen Jahresbericht vorzutragen; daher an der Stelle von mir keine weiteren Infos.

Buchmühle

(Elisabeth Sprenger) Damit kommen wir zu unserem eigentlichen Kernthema. Die Buchmühle hat uns im ersten Vereinsjahr stark beschäftigt. Mit viel Optimismus und ausgerüstet mit den schönen Plänen des Arbeitskreises Baukultur sind wir in diverse Gespräche gegangen. Wir haben uns in der Stadtplanung präsentiert, die Kollegen vom Abwasserwerk zu überzeugen versucht, bei den politischen Gremien angeklopft, mit Wohngenossenschaften gesprochen, mit Bankern zusammen gesessen. Doch alles nutzt natürlich nichts, wenn wir den Kauf des Gesamtgrundstücks nicht umsetzten können. Denn leider hat sich einer der Eigentümer gegen einen Verkauf und damit gegen unseren ersten Entwurf ausgesprochen. Das hat – vor allem mich – anfangs zu einem vorübergehenden Rückzug verleitet. Denn wenn nun "nur" das städtische Grundstück zur Verfügung steht, musste neu nachgedacht werden. Und da ich ebenfalls Mitglied im Arbeitskreis Baukultur bin, weiß ich, wie viel Arbeit in einem solchen Entwurf steckt. Den ersten hatten die Architekten uns ja ohne Bezahlung geliefert – daher wollte ich ungern wieder anfragen.
Aber es sind wirklich wunderbare Begleiter unseres Vereins – auch hier ein Dankeschön an die Architekten – denn kurz danach lag schon wieder ein neuer Vorschlag auf dem Tisch. Den werden wir nun neu abstimmen und hoffen, dass wir zumindest ca. 20 Wohneinheiten dort bald umsetzen können. Das ist auch ohne Zustimmung des unwilligen Eigentümers möglich. Das Ergebnis lässt sich durchaus sehen, es könnte einen Baubeginn auf dem städtischen Grundstück geben und auf der anderen Seite neben dem freien Grundstück fortgesetzt werden. Ein entsprechendes Kaufinteresse wurde seitens des Vereins beim zuständigen Leiter der städtischen Liegenschaften abgegeben. Nun müssen wir den Hochwasserschutz im Auge behalten und uns positionieren, damit uns keiner dazwischen kommt!

Viel erreicht – noch viel zu tun

Liebe Miteinanderen, obwohl nach dem ersten Jahr wie erwartet keine sichtbaren Ergebnisse vorliegen, kann man trotzdem sagen, dass viel erreicht wurde. Unser Verein hat eine stattliche Größe, viele Menschen haben sich zumindest kennen, vielleicht sogar auch ein wenig schätzen gelernt. In der Öffentlichkeit sind wir in jedem Fall angekommen. Wir wurden eingeladen, am runden Tisch „Bezahlbarer Wohnraum“ dabei zu sein, werden von Immobilienmaklern, Kirchengemeinden und Privatleuten angesprochen.
Zumeist wird ein erstes Interesse bekundet oder es wird mitgeteilt, für wie gut und wichtig man unser Engagement hält. Manche bieten uns auch ganz konkret ein Grundstück oder ein Gebäude zum Kauf an. Nicht alles ist von Interesse, aber es ist wichtig, dass man an uns denkt und uns als potenzielle, ernst zu nehmenden Partner ansieht. Das ist zumindest gelungen.
Gerade habe ich mit einer Redakteurin des Bergischen Kalenders zusammen gesessen – das ist ein Jahrbuch unserer Region – denn die Ausgabe 2015 wird einen langen Bericht über unseren
Verein enthalten. Und sehr wichtig war natürlich auch unser am 26.02.2014 gestellter Bürgerantrag an die Stadt Bergisch Gladbach. Dieser wurde von allen Fraktionen des Stadtrates
positiv aufgenommen – viele von Ihnen waren ja dabei.
Mehrgenerationenwohnen ist eins der Themen im momentanen Wahlkampf; und nach der Kommunalwahl wird unser Anliegen dann im zuständigen Ausschuss behandelt. Wir werden sehen, ob es dazu beiträgt, dass wir zukünftig bessere Bedingungen erhalten, sonst heißt es: weiterkämpfen! Denn ohne Druck werden wir nicht erfolgreich sein – das haben auch die Projektmitglieder aus den anderen Städten berichtet.
Und diesen Druck wollen und werden wir erzeugen, ich bin sehr gespannt, wie unser nächstes Geschäftsjahr verlaufen wird.

Lob und Dank

Dass die öffentlichen Sitzungen unseres Vorstands nun im höchst angenehmen Ambiente der Firma WohnConsult stattfinden können, haben wir unserem Mitglied Christian Pauluhn zu verdanken. Obwohl er heute urlaubsbedingt nicht hier ist, möchte ich ihm – ich denke von uns allen – ganz herzlich danken.
Ein weiteres großes Dankeschön schulden wir Pfarrer Thomas Werner und Dagmar Pelz von der Gnadenkirche – auch dort finden wir immer ein offenes Ohr und vor allem eine offene Tür; denn dass wir heute wieder ohne Mietzahlung hier im Pfarrsaal sein dürfen, ist ein großes Entgegenkommen und ganz konkrete, wunderbare Projektförderung.
Ein ganz besonders dickes Lob möchte ich aber an Sie alle richten: Im letzten Jahr haben mich viele Mails aus Ihren Reihen erreicht. Darin wurde    mir und meinen Vorstandskolleginnen und -
kollegen gedankt, es wurden Wünsche formuliert und auch mal Kritik geübt. Aber es war immer der erklärte Wunsch nach Fortsetzung und Unterstützung unserer
Arbeit. Ebenfalls freut uns sehr die nicht nachlassende Beteiligung bei unseren Vorstandssitzungen und sonstigen Veranstaltungen. Dieses Engagement ist heutzutage ganz und gar nicht üblich in Vereinen – und ich habe inzwischen mehr als 15 Jahre Erfahrung in solchen Prozessen. Daher unser Dank an Sie, unsere aktiven und rührigen Mitglieder. Ihre Beteiligung gibt uns Kraft und hilft über die ein und andere Fruststrecke hinweg. Machen Sie ruhig weiter so -
wir tun es auch!

Dorothea Corts

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