Geschäftsbericht
zur Mitgliederversammlung des Vereins mitein-anders
am 07. Juli 2017 im Refrather Treff in Bergisch Gladbach

Berichtszeitraum: Juni 2016 bis Mai 2017

Wer die Sucht zu bauen hat, bedarf zu seinem Verderben keines anderen Feindes (aus dem Französischen)

Liebe Mitglieder,
nein, wir sind sicher keine Baujunkies, haben aber dennoch nach nun bereits 4 Jahren miteinanders-Aktivitäten durchaus ein immer stärker werdendes Verlangen nach einem ersten Erfolgserlebnis. Dass dies nun in Refrath in greifbare Nähe kommt, ist ein wirklich großer Erfolg und wir freuen uns sehr, dass sich die Dinge dann doch so positiv entwickelt haben! Aber die Einzelheiten später, zuerst die Vereinsnachrichten.

Vorstand und Mitglieder

Unser Verein hat aktuell 108 Mitglieder. Es gab also im Berichtsjahr kontinuierlich neue Menschen, die zu uns gestoßen sind, häufig bedingt durch Presseberichte über uns oder eigene Vortragsveranstaltungen. Allerdings verzeichnen wir auch zunehmend Vereinsaustritte, zumeist aus Gründen der langen Wartezeit. Da läuft vielen einfach die Zeit weg – einige unserer Mitglieder sind ja bereits ein wenig älter.
Das tut mir immer sehr leid da ich weiß, dass die Wohn-Alternative häufig keine angenehme ist und letzten Endes doch das gefürchtete Altersheim droht. Wie bereits im letzten Jahr berichtet, haben mich weiterhin viele Anrufe speziell von wohnungssuchenden Menschen mit Behinderungen erreicht. Traurige Geschichten und Schicksale werden dann ausgebreitet und immer geht es darum, wie kann trotz allem ein erträgliches Weiterleben aussehen und eine Teilhabe am sozialen Leben aufrechterhalten werden.
Voraussetzung dazu ist meist eine bezahlbare! behindertengerechte Wohnung und ein möglichst zugewandtes Umfeld. Genau das beschreibt unsere satzungsgemäße Zielsetzung und darum wenden sich die Betroffenen natürlich an uns. Und leider kann ich dann immer nur sagen, dass auch wir keine Lösung bieten können, da wir eben noch kein Haus haben und natürlich zuerst unsere Vereins-Mitglieder berücksichtigen, die uns z. T. seit Jahren mit ihren Mitgliedsbeiträgen unterstützen und das Engagement ermöglichen.

Aber wir alle wissen, die Lage auf dem Wohnungsmarkt ist extrem angespannt. Geringverdiener, Randgruppen, Menschen mit Migrationshintergrund, mit Behinderung, Alleinerziehende, Rentner und viele andere fallen schnell durch das Raster – das geht sogar bis zur drohenden Obdachlosigkeit, ein solcher Fall wurde erst kürzlich in der Presse vorgestellt. Es bleibt also viel zu tun!
Und das haben wir natürlich auch im Berichtsjahr getan. Seit der letzten Mitgliederversammlung wurden insgesamt 6 Vorstandssitzungen durchgeführt, davon eine öffentlich und mit großer Beteiligung Ihrerseits. Herzlich danken möchte ich meinen VorstandskollegInnen für die wieder sehr vertrauensvolle Zusammenarbeit im letzten Jahr. Auch die „Ersatzspielerin“ auf der stellvertretenden Vorstandsposition, Brigitte Voigtländer, hat sich gut warmgelaufen und – so viel kann ich schon verraten – wird sich später ganz offiziell zur Wahl stellen. Von mir persönlich muss ich über ein paar gesundheitliche Probleme berichten, die mir im letzten Jahr ein wenig den bekannten Schwung genommen hatten. Ich hoffe, dass sich dies nicht weiter verstärkt.
Doch nun die Berichte aus den Arbeitsgruppen:

AG Refrath

(Doro Corts) Hier kann ich mit viel Freude berichten, dass wir reichlich aktiv waren und mit Riesenschritten auf die Umsetzung des Projektes zusteuern. Wir hatten ja in der letzten Versammlung berichtet, dass sich eine Bewohnergruppe gebildet hat aus Mitgliedern der 3 Altersgruppen sowie den Eltern der zukünftigen BewohnerInnen mit Behinderung. Nach den von uns organisierten Workshops im letzten Jahr hat sich diese Gruppe regelmäßig getroffen und auch zwischenzeitlich den Verein Wohnfreu(n)de Refrath gegründet.
Warum denn nur noch ein Verein? werden Sie sicher fragen. Aber ein solcher ist nötig, um bezogen auf genau dieses Projekt ein Leitbild für die Zusammenarbeit zu entwickeln, z.B. einen Kooperationsvertrag mit der RBS als Vermieter auszuarbeiten und die Fördermittel für die Pflegewohngemeinschaft und die Gemeinschaftsräume zu beantragen. Natürlich sind die Wohnfreunde bei miteinanders fest verankert und wir haben einen Modus für eine assoziierte Mitgliedschaft gefunden. Denn wir unterstützen – wenn auch in der Intensität abnehmend - die weitere Entwicklung des Projektes, führen viele Gespräche, z.B. mit den städtischen Fachbereichen und den (gar nicht wohlwollenden) Nachbarn. Und konnten gemeinsam mit den Wohnfreuden und vielen Mitgliedern (danke für die Unterstützung) im April den positiven Beschluss des Planungsausschusses zur Änderung des Bebauungsplans zur Kenntnis nehmen.
Für die erst letzte Woche durchgeführte große Bürgerversammlung erledigten wir die Öffentlichkeitsarbeit und haben die Veranstaltung mitorganisiert und begleitet. Leider war dort ein starker Gegenwind zu verspüren. Über 70 Personen waren gekommen, davon etwadie Hälfte mit großen Bedenken und – zum Teil – dubiosen Ängsten wie dem Lärm während der Bauzeit und möglichen Schäden am eigenen Gebäude. Andere bedauerten den Wegfall der Grünzone und sahen in der Zufahrt eine Gefahr für die dort laufenden Kinder. Trotz der nicht einfachen Diskussion halte ich unser Vorgehen für den einzig möglichen Weg und die angebotene Gesprächsbereitschaft wird letztlich zu einer besseren Verständigung führen, zumindest bei den toleranteren Nachbarn. Denn dass jeder Neubau eine Veränderung des Gewohnten bedeutet und auch entsprechenden Widerspruch auslöst, ist für uns Architekten ein sehr bekanntes Phänomen und damit müssen wir umgehen.
Ich freue mich, dass heute aus dem Vorstand der Wohnfreu(n)de Herr Michael Berzbach bei uns ist. Er ist Vater eines der behinderten Kinder und auch beruflich stark gefordert. Trotz dieser Belastungen ist er im Projekt ungemein engagiert und hat sich bereit erklärt, ein wenig über den Stand der Dinge im neuen Verein zu berichten. (siehe Protokoll!)

AG Buchmühle

(Brigitte Voigtländer + Michael Schubek) Auch hier haben wir noch im letzten Jahr berichtet, dass es nach Beendigung der Baustelle des Hochwasserschutzkanals nun endlich losgeht mit der Buchmühle. Viele aus Ihren Reihen hatten sich gemeldet und ihr Interesse an diesem Standort bekundet. Und wir haben alles in die Startposition gebracht: Brigitte Voigtländer und Michael Schubek haben die Leitung der AG übernommen und erste Gespräche mit dem Stadtplanungsamt geführt. Dort war – ähnlich wie beim Projekt Refrath – die Neuaufstellung des Bebauungsplans vorgesehen. Noch im Dezember letzten Jahres hatte ich die Möglichkeit, dem Vorstand des Stadtentwicklungsbetriebs, also dem Eigentümer des städtischen Grundstücks, in dessen Sitzung in einem Powerpoint-Vortrag unsere schöne Planung vorzustellen und zu diskutieren.
Die Vorstände dieses Gremiums sind der Bürgermeister und Mitglieder der Ratsfraktionen. Alle Anwesenden haben das Projekt positiv bewertet und mich aufgefordert, daran weiter zu arbeiten. Nur kurze Zeit später wurde dann allerdings bekannt, dass die Untere Wasserbehörde im RBK damit aber so gar nicht einverstanden war. Der jetzt beendete Bauabschnitt des Hochwasserkanals ist nämlich noch lange nicht der letzte und im Falle eines Starkregens würde weiterhin die Buchmühle unter Wasser stehen. Daher darf bis dahin dort keine Bebauung erfolgen. Bis die Maßnahme beendet ist, vergehen allerdings nach Schätzung der beteiligten Mitarbeiter noch mindestens 5 Jahre! Das war ein echter Schock. Zusätzlich darf lt. Wasserbehörde bis dahin auch keine Bauleitplanung erfolgen. Dies hat großes Unverständnis bei uns ausgelöst und ich habe im Vorfeld dieser Versammlung an den Bürgermeister geschrieben und um offizielle Mitteilung gebeten, wie denn genau der Zeitplan aussieht und ob es keine Möglichkeiten gibt, zu einer anderen Lösung zu kommen bzw. zumindest die Jahre zur Vorplanung zu nutzen.

AG Projektstandorte

(Georg W. Geist) Wie Sie noch wissen, haben wir bereits vor längerer Zeit in einem Papier die Bedingungen für einen guten Standort zusammengefasst, dabei sind die innerstädtische Lage bei gleichzeitiger Bezahlbarkeit des Grundstücks zwei Komponenten, die jedes Jahr schwerer zusammen zu bringen sind. Aber wir arbeiten daran! Es gab einen Vorstandsbeschluss der besagt, dass wir nur solche Standorte weiter verfolgen, wenn mehrere Mitglieder bekunden, dass sie dort konkret wohnen möchten und eine entsprechende Gruppe zur weiteren Umsetzung bilden. Vor diesem Hintergrund werden immer wieder Grundstücke und Situationen geprüft. So auch gerade kürzlich der Hinweis eines Architekten, dass in Refrath ein Wohngebäude zu mieten sei. Viele meldeten ihr Interesse an diesem Standort an, aber leider hat sich der Eigentümer dann doch anders entschieden – schade.
Einen weiteren Hinweis erhielt ich aus Ihren Reihen bezüglich des Grundstücks Auermühle in Leverkusen – dort soll ein ehemaliges Schwimmbadgelände neu bebaut werden. Um hier eventuell ein miteinanders-Projekt unterzubringen, hatte ich Ende März die Stadtverwaltung Leverkusen angeschrieben und um einen Gesprächstermin gebeten. Leider erhielt ich darauf überhaupt keine Antwort. Dann habe ich mich direkt an den Oberbürgermeister gewandt und erhielt zumindest einmal eine Eingangsbestätigung Ende April. Dann vergingen wieder zwei Monate ohne Reaktion und ich habe dort angerufen. Dann wurde mir eine Antwort zugesichert.
Wie so etwas auch ganz anders gehen kann, zeigt das Beispiel einer Gruppe aus Oberberg. Die Damen sind bereits länger in unserem Verein und möchten gerne in Freudenberg, einem wunderschönen Fachwerkstädtchen bei Siegen, ein Wohnprojekt starten. Frau Moers und Frau Saul sind heute hier und werden nun persönlich von den Entwicklungen berichten. (siehe Protokoll!)

AG Veranstaltungen / Exkursionen

(Dagmar Wies) Mit unseren Veranstaltungen möchten wir gleich mehrere Dinge bezwecken: Zum einen natürlich Projekte und Mitstreiter kennen lernen um von deren Erfahrungen zu profitieren bzw. deren Fehler nicht ebenfalls zu machen. Zum anderen aber auch, uns gegenseitig bekannt zu machen, uns bei den Ausflügen näher zu kommen und Gemeinsamkeit herzustellen. So wurde im letzten Jahr das Begegnungsfest organisiert und durchgeführt. Wir hätten uns dort eine größere Beteiligung der anderen Vereine gewünscht, ein kleiner Wermutstropfen. Aber es war insgesamt eine gelungene Veranstaltung mit finanzieller´Unterstützung von Aktion Mensch. Dann haben wir Ende letzten Jahres einen Besuch beim Wohnprojekt Wahlverwandte in Bonn organisiert. Leider sind nicht viele Mitglieder mitgefahren, denn es war ein interessanter Nachmittag mit vielen Erkenntnissen aus dem direkten Leben das wieder Mut und Lust gemacht hat auch zum Ziel zu kommen. Zu unserer Freude hat sich auch die Landtagskandidatin der SPD unserem Ausflug angeschlossen und erklärt, dass sie das
Mehrgenerationenwohnen als eines ihrer Themen im Wahlkampf definiert. Für den Herbst ist hier im Refrather Treff ein gemeinsamer Abend geplant mit der Aufführung eines Theaterstücks und anschließender Diskussion. Eine Gruppe hier im Haus hat ein Theaterstück mit Titel „Schöne Aussicht“ entwickelt, darin geht es um das Zusammenleben im Alter. Wir werden dieses begleiten mit einer Diskussion zum Thema und laden bereits jetzt dazu ein: Termin ist der 12. 9., Einladung folgt.

Öffentlichkeitsarbeit

(Dorothea Corts) Vorträge, Presseinformationen oder unsere Präsentation nach außen sind immer in Abwägung auch der politischen Auswirkungen und Reaktionen zu sehen und dementsprechend mit Vorsicht zu gestalten. Aber immer wieder gerne nehme ich Einladungen wahr und präsentiere unseren Verein und die satzungsgemäßen Ziele bei den unterschiedlichsten Organisationen und Gruppen. So war ich im August letzten Jahres mit einem Vortrag bei der Messe „Lebensfreude plus“ in Overath und konnte einigen interessierten Besuchern die Vorteile des Mehrgenerationenwohnens erläutern. In Herbst diesen Jahres bin ich als Referentin während eines Thementages rund ums Leben im Alter im Haus Pütz-Roth eingeladen, dazu werde ich Sie gesondert informieren. Auch das Thema Vernetzung ist mir wichtig – so bestehen viele Kontakte vor allem zu Organisationen in Köln, die immer wieder Veranstaltungen, Projekttage und Weiterbildungen auch für Wohngruppen anbieten. So konnte ich im letzten Jahr teilnehmen an einem Seminar zum Thema Schnittstelle zwischen Wohngruppe und Investor. Dies fand statt im Ehrenfelder Projekt „Wohnen mit Alt und Jung“ und von dort konnte ich z. B. das Muster eines Kooperationsvertrags einer Wohngruppe mit dem Investor/Eigentümer mitbringen der nun als Beispiel für unser Refrather Projekt zu nutzen ist. Ebenfalls aus dieser Vernetzung kommen die Einladungen, die ich von Zeit zu Zeit an Sie weitergebe und die der eine und andere auch nutzt.
Gerne würde ich auch unserem Internetauftritt etwas mehr Beachtung schenken, hier sind Teile doch sehr veraltet und unprofessionell. Leider komme ich dazu momentan gar nicht. Wenn es jemanden in Ihren Reihen gibt, der sehr gerne schreibt und sich im Internet auskennt, kann sich gerne melden, wir würden uns über Unterstützung freuen!

Finanzen / Fördermittel

(Michael Schubek) Hier ist unser Schatzmeister Herr des Verfahrens und hat heute ja auch seinen Jahresbericht vorzutragen (siehe Anlage 2!); daher an der Stelle von mir keine weiteren Infos.

Viel erreicht – noch viel zu tun

Liebe Miteinanderen, nun ist bereits die zweite Amtszeit unseres Vorstands beendet, wir werden Sie gleich zu unserer Entlastung auffordern und Neuwahlen vornehmen.
Wie eingangs bereits kurz berichtet, bin ich gesundheitlich etwas angeschlagen und habe mich natürlich im Vorfeld gefragt: soll ich überhaupt weiter machen? Macht das alles eigentlich Sinn? Vor allem die niederschmetternde Nachricht bezüglich der Buchmühle und den direkt daraus resultierenden Austritte einiger Mitglieder haben meinen Tatendrang doch sehr gedämpft. Auch die ständige Aufwärtsentwicklung der Preise von Grund und Boden und Bauen insgesamt macht die Umsetzung unsere Pläne nicht einfacher. Zusätzlich erreichen mich zunehmend Anrufe von Menschen, die unseren Verein wohl mit einem Immobilienmaklerbüro verwechseln und fast ungehalten reagieren, wenn ich sage, dass noch gar kein Haus vorhanden ist und ich natürlich keine Wohnung habe in die man morgen einziehen kann. Was machen wir hier eigentlich??
Aber wenn ich daran denke, dass nur aufgrund dieses Engagements demnächst viele Menschen im begehrten Stadtteil Refrath wohnen können die das sonst sicher nicht geschafft hätten, macht mir das wieder Mut. Daher bin ich bereit, nochmals für eine Amtszeit zu kandidieren und kann bereits ankündigen, dass meine Vorstandskolleginnen auch bei der Stange bleiben. Allerdings möchte ich auch nicht verhehlen, dass uns manchmal etwas mehr Engagement von Ihrer Seite fehlt. Denn Sie sind die eigentlichen Aktivisten, Sie müssen Ihre Wünsche in aktive Aktionen verwandeln und z. B. unsere Vorschläge zur Weiterbildung und Kontakt mit anderen annehmen.
Es kann nicht sein, dass wir auf Ihren Wunsch eine Exkursion organisieren und dann fast allein dorthin fahren. Ohne Sie und Ihren unbedingten Willen zu einem etwas anderen Zusammenleben wird auch unser Engagement verpuffen. Nehmen Sie die Dinge selbst in die Hand, werden Sie hartnäckig! Und fragen Sie doch auch einmal den Bürgermeister bei seiner Sprechstunde auf dem Markttag warum es nicht weiter geht mit der Buchmühle? Schreiben Sie, wie die vielen Bürgerinitiativen zum FNP, doch auch einmal an die Stadtverwaltung und fordern, dass Mehrgenerationenwohnprojekte berücksichtigt werden. Schicken Sie mal einen Leserbrief an die Zeitung, schreiben einen Kommentar ins Bürgerportal, wenn es um diese Thematik geht. Es gibt so viele Möglichkeiten sich zu äußern.
Und üben Sie auch gerne Kritik an uns, wir brauchen Ihre Rückmeldung ebenfalls. Dann macht es auch uns wieder mehr Spass, diese Gruppe von positiven Querulanten weiterhin zu vertreten.

Danke für Ihre Aufmerksamkeit.

Dorothea Corts

 

Geschäftsbericht 2017