Geschäftsbericht zur Mitgliederversammlung des Vereins mitein-anders

am 19. August 2016 im Refrather Treff in Bergisch Gladbach
Berichtszeitraum: Mai 2015 bis Juni 2016

Man wird meistens erst dann ein Haus errichten,
wenn man lange genug davon geträumt hat.
© Romana Prinoth Fornwagner (*1960), italienische Archäologin und Prähistorikerin

 

Nun sind es bereits mehr als 3 Jahre, dass unser Verein besteht, und endlich scheint es so, dass unsere Träume Wahrheit werden! Denn unser erstes Projekt rückt endlich in greifbare Nähe und das zweite
ist zumindest im Gespräch.
Unser mitein-anders e. V. ist zu einer festen Größe in der Region geworden. Das liegt nicht allein an unserem Engagement - der Wunsch nach bezahlbarem Wohnraum wird immer stärker, der Druck auf die politischen Gremien wächst. Die Menschen fordern eine andere Auseinandersetzung mit dem Thema Wohnen (nicht nur) im Alter und wollen sich nicht zufrieden geben mit den unzureichenden vorhandenen Möglichkeiten. Die Grundstückspreise explodieren, die Baupreise steigen, Bauland wird knapp. Der zukünftige Wohnungsbau wird nicht funktionieren ohne solche Gemeinschaftsprojekte.

Vorstand und Mitglieder

Inzwischen ist nicht nur das dritte Jahr vergangen, sondern auch viel Neues passiert:
Unser Verein hat aktuell 90 Mitglieder – immerhin 16 Personen mehr als im letzten Jahr. Zu erläutern ist diese Zahl dahingehend, dass einige Mitglieder inzwischen ausgetreten sind, da sie für sich bereits eine andere geeignete Wohnmöglichkeit gefunden haben – sei es auf dem freien Markt oder in einer der umliegenden Kommunen. Allerdings haben einige neue Menschen, die sich konkret mit dem Gedanken tragen, in ein Mehrgenerationenwohnprojekt einzuziehen bzw. solche Bauvorhaben unterstützen zu wollen, den Weg zu uns gefunden und sind Mitglieder geworden. Viele Anrufe haben mich in der letzten Zeit ganz speziell von wohnungssuchenden Menschen mit Behinderungen erreicht. Hierscheint ein großes städtisches Defizit vorhanden zu sein – da sind wir mit unseren inklusiven Konzepten und unserer Zusammenarbeit mit den Behindertenverbänden sehr gut aufgestellt.
Seit der letzten Mitgliederversammlung wurden insgesamt 9 Vorstandssitzungen durchgeführt, davon 3 öffentlich. Die letzteren fanden wie immer statt im Besprechungsraum der Firma WohnConsult, den uns unser Mitglied Christian Pauluhn freundlicherweise zur Verfügung stellt und stets für unsere Zwecke herrichtet, vorab sogar zusätzliche Stühle ausleiht und transportiert, Getränke bereitstellt und den Türöffner gibt – ein ganz herzliches Dankeschön für dieses Engagement!! Ebenfalls danken möchte ich meinen VorstandskollegInnen für die vertrauensvolle Zusammenarbeit.
Leider muss ich an der Stelle berichten, dass sich eine wichtige Position im Vorstand ändert: Unsere stellvertretende Vorsitzende, Frau Elisabeth Sprenger, wird unsere Vorstandsriege leider verlassen. Sie ist die städtische Karriereleiter ein Stück höher geklettert und das daraus resultierende Arbeitspensum seit über einem Jahr war einfach zu groß. Aber sie wird natürlich weiterhin beratend an unserer Seite stehen und uns bei Bedarf unterstützen.
Diese Tatsache bedauern wir sehr, danken aber hiermit für ihren Einsatz – immerhin ist Elisabeth eine der 4 Ideengeberinnen der ersten Stunde, sozusagen die Keimzelle unseres Vereins. Und wir hoffen, dass sie als „normales“ Mitglied noch lange dabei sein wird! Da Elisabeth noch bis zum nächsten Jahr gewählt ist sieht unsere Satzung vor, dass bis dahin der Vorstand eine neue Person nominieren kann. Darüber berichte ich später. In diesen 9 Vorstandssitzungen haben wir viele Dinge besprochen, zumeist ging es im letzten Jahr um das neue Projekt in Refrath. Es gab nur selten extrem kontroverse Diskussionen, und immer führte es zu einstimmigen Beschlüssen. Zu unserer Freude und zusätzlichen Entlastung waren meist auch die Beisitzer und die LeiterInnen der Arbeitsgruppen dabei, haben sich mit viel Enthusiasmus eingebracht und frische Ideen beigesteuert. Danke an Euch! Zur besseren Übersicht hier die Berichte aus den Arbeitsgruppen:

Veranstaltungen / Exkursionen

(Dagmar Wies) Mit unseren Veranstaltungen möchten wir gleich mehrere Dinge erreichen: Zum einen natürlich andere Projekte und Mitstreiter kennen zu lernen um von deren Erfahrungen zu profitieren bzw. deren Fehler nicht ebenfalls zu machen. Zum anderen aber auch, uns in der Öffentlichkeit bekannt zu machen und für unsere Sache zu werben.
Das ist uns mit unserer Veranstaltung im April letzten Jahres sehr nachdrücklich gelungen. Unter dem Titel „wie wir leben wollen“ konnten wir hochkarätige Experten in die VHS einladen und die über 100 BesucherInnen erlebten an diesem Nachmittag geradezu eine Fachtagung zum Thema.
Leider war die Arbeitsbelastung in den folgenden Monaten so groß, dass danach keine weiteren Veranstaltungen durchgeführt werden konnten. Aber wir wissen, dass nicht zuletzt seitens der neuen Mitglieder der Wunsch besteht andere Projekte zu besuchen – wir werden uns im Herbst um eine Exkursion bemühen. Weiterhin wird es ein Fest im Herbst diesen Jahres geben. Diese wurde vorbereitet von Michael Schubek und Gisela Röhrig, die nun davon berichtet.

Mitgliederbetreuung

(Roswitha Wirtz) Diese Arbeitsgruppe verbindet sich logischerweise mit der Veranstaltungs-AG – mehrere Aktive im Verein haben es sich zum Ziel gesetzt, unsere Mitglieder durch gemeinsames Tun zusammen zu führen. Das Begegnungsfest wird natürlich von allen unterstützt.

Öffentlichkeitsarbeit

(Dorothea Corts) Hier geht es um Vernetzung mit anderen Initiativen, um Werbung in eigener Sache, um Pressearbeit und unsere Außendarstellung. Im Zusammenhang mit dem Projekt in Refrath gab es einen schönen
Pressebericht im KStA der uns einige neue Mitglieder beschert hat. Ähnliches erhoffe ich mir von meinem Vortrag, den ich morgen während der Messe 55+ in Overath halten werde. Die Einladung zur dortigen Veranstaltung zeigt, dass wir die Ansprechpartner zum Thema Mehrgenerationenwohnen sind und auch von außen so wahrgenommen werden.

Finanzen / Fördermittel

(Michael Schubek) Hier ist natürlich unser Schatzmeister Herr des Verfahrens und wird später seinen Jahresbericht vortragen. Da sich dieser allerdings auf das Kalenderjahr 2014 bezieht, möchte ich vorab eine wichtige
Errungenschaft aus diesem Jahr mitteilen: Die Förderung der Aktion Mensch. Dies ist die größte private Förderorganisation in Deutschland für Menschen mit Behinderungen. Dort wurden gleich 2 Anträge unseres Vereins bewilligt - eine starke Unterstützung und Anerkennung unserer Arbeit. Die Förderung hat bereits die viel beachtete Fachtagung in der VHS ermöglicht und wird uns im kommenden Herbst unterstützen bei dem vorab erläuterten Begegnungsfest. Auf den Weg gebracht hat das mit klar gegliederten Anträgen und großer Hartnäckigkeit Gisela Röhrig. Danke!

Weitere Projektstandorte

(Georg W. Geist) Wie sich im Laufe des letzten Jahres herausgestellt hat, ist der Standort ein ganz entscheidender Faktor unserer Arbeit. Wir haben bereits vor einiger Zeit in einem Papier die Bedingungen für einen guten Standort zusammengefasst. Wichtig erschien uns vor allem die innerstädtische Lage bei gleichzeitiger Bezahlbarkeit des Grundstücks - zwei Komponenten, die überaus schwer zusammen zu bringen sind. Aber wir arbeiten daran! Wie Sie wissen, gab es einen Vorstandsbeschluss der besagt, dass wir nur solche Standorte weiter verfolgen, wenn mehrere Mitglieder bekunden, dass sie dort konkret wohnen möchten und eine entsprechende Gruppe zur weiteren Umsetzung bilden. Da wir momentan durch unsere beiden Projekte Refrath und Buchmühle mehr als genug zu tun haben, bleiben weitere Standorte vorerst unberücksichtigt. Aber wir halten bei größeren Grundstücksentwicklungen in Innenstadtlagen die Augen offen und melden unser Interesse an.

Buchmühle und Wilhelm-Klein-Straße

(E. Sprenger/D. Corts) Das Projekt Buchmühle wird seit Gründung des Vereins verfolgt. Ziel ist es, rückwärtig der oberen Hauptstraße im Innenbereich der Buchmühle ein großes Mehrgenerationenwohnprojekt zu entwickeln. Da die Stadt Bergisch Gladbach Eigentümerin eines wesentlichen Teils des Baugrundstückes ist, hängt es entscheidend von ihr ab, ob das Projekt realisierbar ist. Für das Grundstück liegen 2 Planungen vor, die vom Arbeitskreis Baukultur, den Verein unterstützend, ehrenamtlich erstellt wurden. In einem 1. Entwurf (das rote Haus) wurden alle in Frage kommenden Grundstücke des Bereiches überplant. Es kristallisierte sich dann heraus, dass der Eigentümer eines genau in der Mitte des Baugrundstückes liegenden Grundstücksteils heftigen Widerstand gegen eine Bebauung seines Grundstückes signalisierte.
Dies führte zu einer Umplanung des Projektes. Es wurde nun in 2 Bauabschnitten auf unterschiedlichen Grundstücken geplant, unabhängig von dem nicht zur Verfügung stehenden Grundstück. Der 1. Bauabschnitt liegt zu großen Teilen auf städt. Grundstück. Dies hat den Vorteil, dass Grundstücksverhandlungen allein mit einer Eigentümerin, der Stadt, geführt werden können. Wegen der auf privaten Grundstücken liegenden Bereiche müssen eingehende Gespräche mit den Eigentümern geführt werden. Da hier der normale Grundstückspreis gezahlt werden muss, könnte z. B. über das Privatinvest einer Baugruppe gebaut werden, ich weiß, dass einige unserer Mitglieder Interesse an einer Eigentumsbildung haben. Trotzdem wäre der Bezug zum Gesamtprojekt gegeben.
Dieser 2. Entwurf (das weiße Haus) liegt zwischenzeitlich in hochwertigen 3-D-Darstellungen vor, die eine gute Präsentation ermöglichen. Diese Pläne wurden bei der Veranstaltung des Vereins am 18.4.2015 zum ersten Mal öffentlich vorgestellt. Die Vereinsvorsitzenden haben die Entwürfe jeweils mit der Stadtplanung abgestimmt und von dieser Seite aus erfolgte Anregungen in die Planung einfließen lassen.
Die Stadtplanung hat das Projekt in die „Rahmenplanung Stadtmitte“ aufgenommen und im Rahmen der Öffentlichkeitsbeteiligung den Bürgern vorgestellt. Das Ergebnis der Öffentlichkeitsbeteiligung wurde am 9.6.2015 im Stadtentwicklungs- und Planungsausschuss vorgestellt. Der Teilraum „Buchmühle“ wurde unterschiedlich und z.T. sehr kontrovers in der Öffentlichkeitsbeteiligung diskutiert. Eine Bebauung rückwärtig der Hauptstraße – also auf dem von mitein-anders favorisierten Baugrundstück - wird von der Bürgerschaft grundsätzlich positiv beurteilt. Auch die vorgeschlagene Sonderform (Mehrgenerationenwohnen und / oder sozial geförderter Wohnraum) wird begrüßt. Zur Bebauungsdichte gibt es unterschiedliche Ansichten.
Zwischenzeitlich wurde – wie Sie vielleicht in der Presse verfolgt haben oder leidvoll durch Verkehrsstaus an eigenem Leib erfahren mussten – die große Hochwasserschutzmaßnahme in der Innenstadt durchgeführt. Auch durch die Buchmühle wurden die riesigen Kanalrohre verlegt, eine riesige Baustelle entstand. Wir entschlossen uns daher im letzten Jahr, unsere Überlegungen zur Realisierung so lange „auf Eis“ zu legen.
Der Verein wurde vor ca. 1 Monat seitens der Stadt davon in Kenntnis gesetzt, dass die Baumaßnahme zum Hochwasserschutzkanal in der Buchmühle nun fast fertig gestellt ist. In Gesprächen mit dem Leiter der Stadtplanung wurde signalisiert, dass nun aktiv am Bebauungsplan gearbeitet werden soll. Ich habe für den Verein mitgeteilt, dass weiterhin unser Interesse besteht, dort den Bau des Mehrgenerationenwohnhauses zu realisieren.
Die Stadtplanung wird die Ergebnisse der Bürgerbeteiligung nunmehr in den städtebaulichen Entwurf des Bebauungsplanes Buchmühle einfließen lassen. Dann obliegt es der Entscheidung der Politik, ob die erforderlichen planungsrechtlichen Voraussetzungen für die Errichtung eines Mehrgenerationenwohnprojektes geschaffen werden.
Liebe Mitglieder! Ich kann nicht verhehlen, dass mir diese eigentlich für uns wunderbare Nachricht einen gewissen Schock versetzt hat: Frau Sprenger nicht mehr an meiner Seite, das Projekt Refrath in voller Aktion und jetzt noch gleichzeitig die Buchmühle? Das kann ich beim besten Willen nicht leisten! Hinzu kamen einige gesundheitliche Probleme die mich dazu zwingen, eher deutlich kürzer zu treten denn meine Aktivitäten noch zu erhöhen. Was also tun?
Zuerst galt es, eine neue Stellvertretung zu suchen. Viele Gespräche habe ich dazu in den letzten Wochen geführt, also wieder viele zusätzliche Termine! Allen „Neuen“ musste ich natürlich den Verein, das Projekt, unsere Wünsche erläutern, musste Pläne und Satzung kopieren, Bedenken zerstreuen, viel Kaffe trinken.... Leider wollte sich so recht niemand auf diese ehrenamtliche Aufgabe einlassen. Doch nach einigen Anläufen kann ich berichten, dass zumindest für die Interimsphase bis zur nächsten Wahl eines unserer Mitglieder Bereitschaft gezeigt hat mitzumachen. Frau Brigitte Voigtländer, Architektenkollegin und seit einiger Zeit im Un-Ruhestand bietet uns ihre Fachlichkeit und – wie ich aus Erfahrung weiß – auch eine gewisse Durchsetzungskraft an. Liebe Brigitte, sei herzlich willkommen in unserem Kreis, ich freue mich auf die Zusammenarbeit!
Doch damit ist erst eins unserer Probleme gelöst. Wie weiter mit der Belastung? Es liegt wohl auf der Hand, dass in der kleinen Vorstandsriege nicht 2 Projekte gleichzeitig verfolgt werden können. Ich bin sehr tief in die Refrather Gruppe eingestiegen und werde diese intensiv weiter begleiten. Auch meine Vorstandskollegen sind in ihren Berufen beansprucht, sodass zusätzlich keine Kapazitäten abrufbar waren. Gemeinsam haben wir entschieden, dass für die Realisierung der Buchmühle eine neue Gruppe aus 3-5 Personen gebildet werden muss, die das Projekt - zwar in Abstimmung mit dem Vorstand - aber in großen Teilen selbsttätig weiterverfolgt. Es sind Gespräche zu führen mit städtischen Gremien, mit den privaten Grundstücksbesitzern, mit den Architekten, Investoren etc. Unsere Vereinsmitglieder müssen abgefragt werden, ob überhaupt
noch Interesse besteht und wer konkret dabei ist. Auch muss – ähnlich dem Refrather Prozess – ein Wert für das städtische Grundstück ermittelt und auf dieser Basis die Wirtschaftlichkeit errechnet werden, die ist bis dato ja noch gar nicht nachgewiesen. Sie sehen, viele Themen sind zu klären, das alles fällt nicht einfach so vom Himmel. Daher haben wir festgelegt: Wir werden intensiv um Unterstützung werben. Und sollte sich bis Ende diesen Jahres eine solche konkrete Gruppe nicht gebildet haben, werden wir das Projekt Buchmühle aufgeben – so traurig das auch für uns wäre. Aber wir sind sehr im Fokus der Öffentlichkeit und es wäre absolut schädlich, wenn wir Versprechungen machten die wir dann nicht halten könnten. Brigitte Voigtländer hat sich indes bereit erklärt, ein erster Teil dieser Gruppe zu sein, vielleicht gibt es bereits heute Menschen, die mit dafür einstehen wollen, dieses schöne Haus auf den Weg zu bringen. Ich bitte sehr dringlich um Ihr Engagement, es geht wirklich nur mit Ihrer Hilfe.

Projekt Refrath

Sie erinnern sich: Auf der Suche nach geeigneten Grundstücken auch im Raum Refrath fiel vor einiger Zeit das Augenmerk auf ein Grundstück an der Wilhelm-Klein-Straße: Eine kleine Parkanlage unmittelbar an der Straßenbahnhaltestelle Refrath, die von den Anliegern überwiegend als Hundewiese genutzt wird. Am 26.01.2015 wurde dem Bürgermeister unser Bürgerantrag mit der Anregung übergeben, die Zielsetzungen des Vereins mitein-anders stringenter zu unterstützen, das Wohnbaulandkonzept forciert zu erarbeiten und die Nutzung des Grundstückes in Refrath für Zwecke des Vereins zu überprüfen.
Die Anregung wurde am 25.03.2015 im Ausschuss für Anregungen und Beschwerden öffentlich behandelt, Frau Corts erhielt Gelegenheit, das Anliegen des Vereins als Vorstandsvorsitzende persönlich vorzutragen.
Die Ausschussmitglieder befürworteten das Anliegen des Vereins, aber nicht die Inanspruchnahme des Grundstückes Wilhelm-Klein-Str. sondern ein Grundstück in der Nähe der Straße An der Wallburg. Die Lage im Zentrum Refraths ist perfekt, Straßenbahn und Geschäfte fußläufig erreichbar. Ein großer Vorteil des Grundstückes gegenüber der Wilh.-Klein-Straße ist seine ruhige Lage. Das Grundstück eignet sich aufgrund seiner Lage, Größe und Form ideal für ein Mehrgenerationenwohnprojekt.
Um die Geeignetheit des Grundstückes darstellen zu können, hat das Architekturbüro Franken und Kreft zwischenzeitlich einen Vorentwurf für dieses Grundstück erstellt. Da das Grundstück groß ist, konnte in die Planung ein weiteres soziales Projekt integriert werden: Eine Wohngruppe für 9 junge Menschen mit einer Behinderung. Heimplätze für diese Gruppe von Menschen fehlen, so dass die Eltern bereits länger in Privatinitiative nach einer Lösung für ihre heranwachsenden Kinder suchten. Diese Gruppe war ebenfalls an unseren Verein herangetreten. Der inklusive Gedanke hat uns rundum gefallen und wir haben den Vorentwurf um eine Pflegestation für diese 9 jungen Erwachsenen ergänzt.
Die Möglichkeit, dieses Projekt zu realisieren, setzt nicht nur eine Verkaufsbereitschaft der Stadt voraus. Es muss ebenfalls vorab das erforderliche Planungsrecht geschaffen werden, d.h. der
derzeitig rechtsverbindliche Bebauungsplan muss geändert werden. Die städtische Liegenschaftsabteilung hat inzwischen den Verkehrswert des Grundstücks ermittelt und der Verein wird in Kürze einen Optionsvertrag zum Kauf abschließen. Damit haben wir für 2 Jahre die Sicherheit, das Terrain erwerben zu können und bis dahin weitere Untersuchungen zu tätigen.
Da wäre als erstes die Frage: Wer will denn nun konkret in ca. 3 Jahren einziehen in Kippekausen? Ein Aufruf an unsere Mitglieder führte zu einer Gruppe von Interessenten, mit denen wir dann workshops zu unterschiedlichen Themenbereichen durchführten. Es wurde über Gruppenbildung und –dynamik gesprochen, über Finanzierungsmöglichkeiten und vieles Andere. Die Eltern der Jugendlichen mit Behinderungen waren ebenfalls immer dabei. Und vor einigen Wochen gab es dann auch einen ersten Kontakt der Gruppe mit den jungen Menschen – ein wunderbarer Nachmittag mit spannenden Begegnungen.
Zwischenzeitlich hat sich eine Untergruppe gebildet aus 3 Mitgliedern der Elterngruppe und 3 Mitgliedern der Mehrgenerationenwohner sowie einem Vorstandsmitglied. Diese trifft sich regelmäßig und bespricht die anstehenden Dinge. Zur Unterstützung wurde die Projektentwicklerin Lisa Hugger beauftragt, auch zum Architekten Kreft besteht inzwischen eine Geschäftsbeziehung.
Diejenigen unter Ihnen die schon länger bei uns sind wissen, dass ein MGW nur Sinn macht, wenn wirklich mindestens drei Altersgruppen vertreten sind. Doch wie in anderen Projekten auch gibt es ausreichend Interessenten für die Ü60-jährigen, sodass inzwischen sogar eine Warteliste besteht. Auch die Gruppe zwischen 40 und 60 Jahren ist relativ gut besetzt. Was fehlt, sind die jungen Familien. Daher gibt es aktuell einen Aufruf speziell an diese Altersschicht und ich bin mir sicher, dass die gute Lage in Refrath über kurz oder lang zu Ergebnissen führen wird. Doch wie sieht es mit der Finanzierung aus? Sie wissen vielleicht, dass wir im Vorfeld mit zwei Wohnungsbaugesellschaften gesprochen haben. Das war die RBS und ASG. Letztere hat uns zwischenzeitlich eine Absage erteilt, bleibt aber gesprächsbereit für andere Objekte. Mit der RBS sind aber inzwischen viele Hoffnung gebende Verhandlungen geführt worden und seit dem Frühjahr sind sie sogar Vereinsmitglieder geworden. Unsere Vorstellung ist, dass die RBS das Grundstück erwerben, das Gebäude erstellen und es anschließend komplett in einem Kooperationsvertrag an unsere Gruppe vermieten wird. Dann wäre keine aufwändige und mit hohen Kosten verbundene Genossenschaftsgründung erforderlich und es entstände ein buntes Mietobjekt für Behinderte und Nichtbehinderte, Alte und Junge, sozial starke und schwache – also genau das, was wir uns bei der Vereinsgründung erträumt hatten.

Viel erreicht – noch viel zu tun

Liebe Miteinanderen, erst im nun 3. Jahr liegen konkrete Ergebnisse für 2 Projekte vor. Unser Verein hat eine stattliche Größe, viele Menschen haben sich zumindest kennen, vielleicht sogar auch ein wenig schätzen gelernt. In der Öffentlichkeit sind wir in jedem Fall angekommen. Unsere Lobbyarbeit zeigt erste Erfolge, fast wöchentlich erreichen mich Anfragen von interessierten Menschen. Auch die örtlichen Entscheidungsträger aus Politik und Verwaltung sind aufmerksam geworden und befassen sich mit dem Thema – alle Fraktionen äußern sich auf Nachfrage ausgesprochen positiv. Wie die entscheidenden Ratsbeschlüsse dann allerdings ausfallen, müssen wir genau beobachten. Denn ohne Druck werden wir nicht erfolgreich sein – das haben auch die Projektmitglieder aus den anderen Städten berichtet. Und diesen Druck wollen und werden wir auch weiterhin erzeugen.

Lob und Dank

Danken möchte ich an dieser Stelle den Architekten des Arbeitskreises Baukultur für ihre Unterstützung. Ohne diese Hilfe wäre uns die Entwicklung von Bebauungsvorschlägen und deren Visualisierung nicht möglich. Und somit auch die Überzeugungsarbeit in den politischen Gremien deutlich schwerer. Gut, dass es dieses Engagement gibt!
Ein ganz besonders dickes Lob möchte ich aber erneut Sie alle richten: Wie im letzten Jahr haben mich wieder viele Mails aus Ihren Reihen erreicht. Darin wurde mir und meinen Vorstandskolleginnen und -kollegen gedankt, es wurden Wünsche formuliert und auch mal Kritik geübt. Aber es war immer der erklärte Wunsch nach Fortsetzung und Unterstützung unserer Arbeit.
Aber mit jedem Jahr wird es immer konkreter. Und es führt Sie unausweichlich zu der Frage: Ist das wirklich meine zukünftige Lebensform? Gebe ich ganz real in Kürze mein gewohntes Haus, meine Wohnung, mein Umfeld auf und begebe mich auf diesen unbekannten und herausfordernden Weg? Will ich in einer Gemeinschaft leben mit allen positiven und vielleicht auch negativen Begleiterscheinungen?
Diese Fragen werden Sie in aller Konsequenz selbst beantworten müssen, ein „Na, mal sehen“ geht nun nicht mehr. Wir haben Ihnen auf dem Weg bis hierhin viele Probleme aus dem Weg geräumt, haben unser Engagement und unsere fachliche Kompetenz in das gemeinsame Ziel gesteckt. Weitergehen, meine Damen und Herren, müssen nun Sie! Ich kann Sie nur ermuntern, diese große Chance nicht verstreichen zu lassen – all die Stufen, die wir Ihnen auf dem Weg zum Projekt bisher abgenommen haben, müssen andere Gruppen ganz alleine erklimmen. Durch unseren Einsatz ist bereits ein hohes Podest erreicht – machen Sie bitte weiter und engagieren Sie sich! Denn dann wird er Realität: der Traum vom Mehrgenerationenhaus in Bergisch Gladbach!

Dorothea Corts

 

Geschäftsbericht 2016