Für ein gemeinschaftliches Wohnprojekt optimal geeignet ist der Stadtbezirk 2 und speziell die Stadtmitte. Die „Aufwertung von Bestandsgebieten durch behutsame Ergänzung moderner Wohnformen“ sowie „Wohnangebote in integrierter Lage fördern“ werden unter den Prioritäten für die Stadtmitte unter „Stärkung des Wohnstandorts und Ergänzung städtischer Wohnformen“ als konkrete Maßnahmen im ISEK (Integriertes Stadtentwicklungskonzept) ausdrücklich genannt.

Derzeit werden besonders in der Innenstadt städtebauliche Aufwertungen durch das Regionale 2010 Projekt stadt :gestalten durchgeführt. Von diesem Projekt ist in der östlichen Innenstadt der Bereich der Buchmühle stark betroffen. Das Buchmühlengelände lag lange wie eine klaffende Wunde mitten im Stadtgebiet, inzwischen wurde hier entsprechend einem Wettbewerbsergebnis eine ansprechende Parkanlage errichtet und der stadthistorisch wichtige Bach „Strunde“ wieder an die Oberfläche geholt. Ergänzt wird der Bereich mit einer Parkpalette sowie einem großen Kinderspielplatz. Allerdings sind die Randbereiche noch unbebaut und der Blick in die Hinterhöfe der bestehenden Bebauung inakzeptabel.  Ergänzt und eingefasst werden muss dieser Park durch eine städtebaulich hochwertige Bebauung im südlichen Bereich.

Der planungsrechtliche Rahmen für diese Bebauung wird in Kürze durch Änderung des Bebauungsplanes Nr. 2135 neu definiert werden. Die Vorstandsmitglieder wie auch die Architekten des AK Baukultur sind überzeugt davon, dass der Bereich der Buchmühle nicht ausschließlich für teuren Wohnraum zur Verfügung gestellt werden sollte, hochwertige Seniorenwohnungen sind in unmittelbarer Nachbarschaft bereits vorhanden. Hier muss in verdichteter Form Wohnraum für unterschiedliche Bevölkerungsgruppen angeboten werden, damit hier ein attraktiver und belebter Teil der Innenstadt entsteht.
Es ist erklärtes Ziel, dass im Buchmühlengelände ein Grundstück für gemeinschaftliches Wohnen / Mehrgenerationenwohnen vorgesehen wird. Die älter werdende Gesellschaft, die veränderten Familienstrukturen und die sich immer wieder neu bildenden Sozialstrukturen haben den Wohnprojekten in den letzten Jahren neuen Auftrieb gegeben. Was zunächst in Großstädten begann, findet sich heute auch in kleineren Kommunen und im ländlichen Raum. Wohnprojekte, insbesondere diejenigen, die genossenschaftlich organisiert sind, verfolgen neben ihre sozialen, bauökologischen und energetischen Zielen in der Regel die Verbesserung der Lebensumstände im unmittelbaren Wohnumfeld: Da werden Betreuungsplätze für Kinder, alte oder behinderte Menschen eingerichtet, Quartiers- oder Dorfläden betrieben und Cafés oder Begegnungsstätten geschaffen und unterhalten. Aus Wohnen wird Leben, denn es entstehen vielfältige Aktivitäten und Beziehungen, die immer über das eigene Wohnprojekt hinaus reichen. Kindergeburtstage werden im Gemeinschaftsraum des Wohnprojekts gefeiert, Yoga- oder Gymnastikgruppen bilden sich, gemeinsame Karten- oder Fernsehabende werden organisiert, Übungsräume für Musik- oder Theatergruppen entstehen, kurz: die Menschen finden wieder zueinander! Denn gemeinsam lässt sich vieles leichter und der Alltag um einiges vielfältiger gestalten. Für diese Wohnformen interessieren sich junge Familien, die für ihre Kinder eine lebendige, gesunde und verlässliche Nachbarschaft „mit kurzen Wegen“ suchen.  Aber auch Singles oder kinderlose Paare zeigen Interesse an einem verbindlichen Wohnumfeld, um sich die Kontakte zu schaffen oder zu erhalten, die leicht durch das Berufsleben zu kurz kommen.  Alleinerziehende versprechen sich Erleichterung im Alltag für sich und ihre Kinder durch wechselseitige Hilfe in guter Nachbarschaft.  Ältere Menschen dagegen wollen nach der Familienphase mit einer selbst gewählten Gemeinschaft für sich ein anregendes und unterstützendes Umfeld schaffen und damit der Vereinsamung vorbeugen.

Die Gruppe möchte nicht nur die Vorteile der zentralen Lage nutzen und sich untereinander stützen. Bestandteil des Konzepts ist auch eine enge Vernetzung mit der Nachbarschaft und ein Einbringen der zur Verfügung stehenden Ressourcen in Form von Engagement im sozialen und kulturellen Bereich (Hausaufgabenhilfe, Lesungen, Ausstellungen, Seniorenarbeit etc.). Hier soll sich ein Cafe für Besucher öffnen, eventuell eine Kita und eine Diakoniestation die unterschiedlichen Lebensbereiche unterstützen. Damit werden neue Impulse in der darbenden oberen Hauptstraße gesetzt, die in den Abendstunden verödete Innenstadt belebt und zusätzliche Käuferschichten erschlossen. Das kann allerdings nur gelingen, wenn die Gruppe das städtische Grundstück zu einem für ein solches Projekt akzeptablen Preis erwerben kann.
Man erkennt, die erfolgreiche Umsetzung von gemeinschaftlichen Wohnformen hängt also wesentlich von der Bereitschaft der Kommune ab, gewisse Hilfestellung bei der Grundstücksvergabe zu leisten und die unterstützenden Voraussetzungen zu schaffen. Baugruppen brauchen keine rabattierten Grundstückspreise – sie können durchaus  Marktpreise bezahlen benötigen allerdings eine zeitliche Optionierung. In Städten, die schon länger Erfahrung mit Baugruppen haben  ist es üblich, den Baugemeinschaften eine zeitliche Option auf das gewünschte Grundstück einzuräumen.
Angesichts der finanziellen Situation der Kommunen, von denen sich viele unter Haushaltssicherung befinden, sind Zuschüsse und Förderungen für Wohnprojekte schwer umzusetzen. Allerdings hat sich gezeigt, dass Städte, die diesen Weg konsequent beschritten haben, durch die zunehmende Zahl engagierter Wohngruppenprojekte profitieren, denn – neben den vorab erwähnten Vorteilen - treten neue Akteure als Investoren in der Stadt auf, schaffen nachfrageorientierte Wohnraumangebote auf dem Wohnungsmarkt und Neubürger werden an die Stadt gebunden.

 

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