Am 20. 09. 2012 fand ein erstes Treffen zum Thema "Mehrgenerationenwohnen in der Buchmühle" statt. Die Initiatoren dieser Idee (Doro Corts, Georg Geist, Uta Kallenbach Elisabeth Sprenger und Pfarrer Thomas Werner) hatten in den Gemeindesaal der Gnadenkirche eingeladen - und waren vom Ergebnis selbst überrascht, denn diesem ersten Aufruf folgten bereits rund 100 Interessenten.
Zunächst erläuterte Doro Corts, dass es nach einer Studie der Konrad-Adenauer-Stiftung in Deutschland den höchsten Anteil allein lebender Menschen und den geringsten Anteil an Haushalten mit Kindern gebe. Weltweit einmalig sei auch, dass hier ein ganzes Drittel der Frauen und Männer eines Jahrganges zeitlebens kinderlos blieben und die Einpersonenhaushalte mit 37 % mittlerweile die größte Gruppe aller Haushalte stellen, Familien dagegen die kleinste. Die Notwendigkeit der Suche nach neuen Wohnformen sei somit offensichtlich. Und da der soziale Wandel Antworten fordere, habe man sich aufgemacht, auch in Bergisch Gladbach nach diesen Antworten zu suchen.

Dorette Deutsch, eine ältere Dame mit mittellangen blondgefärbten Haaren, sitzt an einem Tisch mit roter Tischdecke. Hinter ihr eine Wand mit abstrakter Kunst. Auf dem Tisch eine Flasche Wasser, ein Mikrofon und eine Leselampe.Dabei wurde bereits ein Wunsch-Projekt ins Auge gefasst: die Errichtung eines Mehrgenerationen-Wohnhauses in der Buchmühle. Sie erläuterte, dass das Mehrgenerationenhaus überhaupt nicht neu sei und viele Städte in NRW ganz aktiv Wohnprojekte dieser Art unterstützten. Nur Bergisch Gladbach habe bisher noch kein Modellprojekt in dieser Richtung. Und darüber müsse man diskutieren.
Den Anfang dieser Diskussion machte dann die international agierende Autorin Dorette Deutsch, die sich mit dem Thema des Wohnens im Alter seit vielen Jahren intensiv beschäftigt und darüber zwei Bücher veröffentlicht hat.


Sie schilderte sehr eindringlich, wie sie sich auf die Suche nach Projekten gemacht hatte, die nicht nur ein besseres Leben im Alter ermöglichten, sondern auch ein neues, solidarisches Zusammenleben der Generationen schafften. Und sie konnte viele große und kleine Projekte beschreiben, in denen ein Zusammenleben von Alt und Jung in Hausgemeinschaften gelungen war, wo auch langfristig ein generationsübergreifendes Miteinander entstanden ist. Kurzen Auszügen aus ihrem Buch "Lebensträume kennen kein Alter" entnahm sie Geschichten von Menschen, die neue Wege wagen. Deutsch erzählte von mutigen Lokalpolitikern, visionären Planern, von jungen und alten Bewohnern sowie der Chance für ein neues soziales Miteinander. Und sie wies darauf hin, dass es gerade in NRW viele Modellprojekte gebe und ein großes Netzwerk an Fördermöglichkeiten bestehe.
Im Anschluss an diese Lesung folgte eine angeregte Diskussion mit dem Publikum. Die Projektgruppe hatte nicht nur Planmaterial mitgebracht, sondern auch ein erstes Arbeitsmodell, das der in Bergisch Gladbach ansässige "Arbeitskreis Baukultur" erstellt hatte. Dort war ein erster Grobentwurf für eine mögliche Bebauung am südlichen Rand des neuen Strundeparks in der Buchmühle ersichtlich. Neben einer Tiefgarage könnten dort mehrere Baukörper die unterschiedlichen Wohnformate aufnehmen. Vorstellbar sei auch eine öffentliche Nutzung im Erdgeschoss; z.B. könne man sich einen Umzug der städtischen Bücherei dorthin vorstellen. Unbedingte Voraussetzung sei allerdings eine gute Architektur.
Doch gehe es zuerst darum festzustellen, ob es in Bergisch Gladbach überhaupt Interessenten für ein solches Projekt gebe, erklärten die Initiatoren. Und offensichtlich gibt es diese, denn viele Teilnehmer unterzeichneten noch an diesem Abend die mitgebrachten Listen und meldeten sich zur weiteren Zusammenarbeit.